0852 Treehouses Bebelallee
Info:
6 Aufstockungen mit 47 neuen Wohnungen
Lage:
Bebelallee 64-70, Hamburg
Größe:
8.800 m² BGF Aufstockung
9.600 m² BGF Bestand
Bauherr:
Robert Vogel GmbH&Co
Leistung:
LPH 1 - 8
Termine:
Baubeginn - Juli 2008
Fertigstellung - Juni 2010
Bauleitung:
Kreitz, Kopf und Partner, Hamburg
TWP:
Ingenieurbüro Dr. Binnewies, Hamburg
TGA:
Ingenieurbüro
Ridder & Prigge GmbH & Co KG, Hamburg
Ingenieurbüro
Schlegel & Reußwig, Hamburg
Brandschutz:
Ingenieurbüro T. Wackermann GbR, Hamburg
Bestand
Das Quartier Bebelallee 64-70 ist eine Wohnbebauung aus dem Jahr 1959 bestehend aus 6 sog. Baublöcken. Diese sind in der damaligen städtebaulichen Richtlinie als Zeilenbau giebelseitig zur Straße ausgerichtet und mit einer freien, durchgängigen Grünfläche für alle Bewohner konzipiert worden.
Der Großteil der Blöcke ist als zweispänner mit zwei Vollgeschossen und einem nicht ausgebauten Schrägdach erstellt worden. Zudem befindet sich ein Block (Block 5) als zweigeschossiger Laubengang auf dem Grundstück.
Die gesamte Anlage wurde in massiver Bauweise mit einem zweischaligen Mauerwerk mit Stahlbetondecken ausgeführt und bis auf die Balkone mit einem Sichtmauerwerk aus Gelbklinker versehen.
Nachverdichtung
Auf
Grund einer erforderlichen Grundsanierung wurden verschiedene Konzepte der
Nachverdichtung untersucht. Um den offenen Charakter der Siedlung zu erhalten
und um eine energetische Optimierung zu erreichen, wurde sich für eine
Aufstockung, einen Neubau auf dem Bestand entschieden.
Darüber hinaus war es das Ziel, innerhalb des weiterhin bewohnten Quartiers die
bestehende Wohnfläche zu verdoppeln und neben den vorhandenen kleinen
Wohnungen, die mittlerweile eine Bewohnerschaft mit sehr hohem
Altersdurchschnitt aufwies, auch größere Wohneinheiten für Familien zu
erstellen.
Architektur
Der
Grundansatz für die Gesamtmaßnahme war von vornherein die Schaffung eines
neuen, zeitgemäßen innerstädtischen Wohnquartiers, das seine Herkunft aber
nicht verleugnet.
In der Kombination mit der erforderlichen energetischen Sanierung des
Bestandes, seinen konstruktiven, baulichen Voraussetzungen und dem Anspruch des
nachhaltigen Bauens für den Neubau wurden so die Parameter für den Entwurf
gesetzt.
Die
Bauten aus den 1950er und 60er Jahren zeichnen sich durch sparsamen
Materialeinsatz und hoher Auslastung statischer Reserven in Konstruktion und
Gründung aus.
Vor diesem Hintergrund wurde sich für eine Leichtbaukonstruktion in
Holztafel-Fertigbauweise entschieden, die zudem auch den Vorteil mit sich
bringt, in relativ kurzer Bauzeit und geringem Baulärm die Aufstockung über dem
bewohnten Bestand zu realisieren.
Die Fassade
des Neubaus sollte sowohl die Holzbauweise wiederspiegeln, als auch sich eher
auf die vorhandenen Bäume (Treehouses) beziehen, denn auf die massive
Bestandsbebauung.
Um jedoch eine Holzfassade in der Gebäudeklasse IV zu realisieren, mussten
vielfältige Brandschutzauflagen erfüllt werden. Die Schindel aus Zedernholz
wird in der Herstellung gespalten und nicht gesägt; die Oberfläche erhält
dadurch eine grobe Textur und muß nicht weiter versiegelt werden. Das Holz wird
in seiner gewachsenen Unterschiedlichkeit roh als Fassade verwendet.
Ebenso
wird der neue Klinker der Bestandsfassade als natürliches Material gezeigt,
welches die Zeichen der Tonerde in seinen unterschiedlichen Abschattierungen
zeigt.
Die ursprüngliche Siedlung mit ihren künstlich anmutenden gelben Klinkern und
türkisen Fliesen als Balkonverkleidung wird in eine eher archaische
Materialität von Handstrich-Ziegel und gespaltenem Holz versetzt.
Energetisches Konzept
Der Baustoff Holz ist in der Produktion CO2-neutral und benötigt bis zur Verarbeitung nur die regenerative Energie der Sonne. Zu dem symbolisiert die sichtbare Holzfassade auch den bewussten Umgang mit den Ressourcen und ist damit eine Gegenüberstellung zum Weltbild des Baubestandes aus den 1960er Jahren.
Der
Bestand im EG und 1.OG wurde mit einer außenliegenden Dämmung versehen, die mit
einem neuen Sichtmauerwerk verkleidet wurde. Hier wurde bewusst eine
Putzfassade vermieden, die den Charakter der Siedlung widersprochen hätte und nicht
ortstypisch ist.
Die Fenster werden energetisch ertüchtigt indem die Gläser ausgetauscht werden,
da die Holzrahmen funktionstüchtig sind und in der Gesamtbetrachtung des
Fensters nur unwesentlich den U-Wert reduzieren.
Der Neubau wird in Holztafel-Bauweise mit hinterlüfteter Schindelfassaden gem. ENEV 2007 erstellt.
Insgesamt
wird mit der Planung das Ziel verfolgt die Wohnfläche zu verdoppeln und den
bisherigen jährlichen CO2-Ausstoss zu halbieren.


